Letzte Änderung dieser Seite: 08.01.2026 (02:34:58)

Bolatitz (Bolatice)

(Kreis Ratibor, Oberschlesien, Tschechien)

Panorma der Gemeinde Bolatitz

Postkarten-Ansicht

Ansichtskarte von Bolatitz neueres Wappen der Gemeinde Bolatitz Die altertümliche, oberschlesische Gemeinde Bolatitz (240-260 m. ü. M.), Kreis Ratibor, liegt (heute) in Tschechien im südlichen Teil der Hultschiner Hügellandschaft (Hultschiner Ländchen), nicht ganz 6 km im Nordosten der Stadt Kravaře in Schlesien und unweit der Grenze zu Polen (Oberschlesien). Die Gemeinde ist allseits von Anhöhen zwischen 271 m und 304 m. ü. M. umgeben und liegt zwischen Štěpánkovice (Schepankowitz) im Westen und Bohuslavice (Buslawitz) im Osten.

Übrigens: Der auf der Postkarte unten links abgebildete Bauernhof steht gleich benachbart zur Kirche. Er wird heute als Museum genutzt. Früher war er ein «Sniehotta-Hof». Der letzte Sniehotta, der darin lebte war damals Bürgermeister von Bolatitz (Anmerkung: Zwischen den Familien Sniehotta und Kramarz bestanden mehrere, belegte Beziehungen durch Heirat).

Die ausgedehnten, fruchtbaren Felder erhalten im Nordosten ihre grüne Krone durch den Chuchelnaer Wald (Chuchelná), der vorwiegend Fichten- und Kiefernbestände und auch eine Wald–Fasanerie besitzt. August Scholtis (* 7. August 1901 in Bolatitz; † 26. April 1969 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller. Er schrieb seine Lebenserinnerungen unter dem Titel «Ein Herr aus Bolatitz» (de). Anmerkung: Bei den stetigen Veränderungen kann nicht garantiert werden, dass die angegebenen Verknüpfungen zu jederzeit noch zum gewünschten Ziel führen. Sollte ein Link nicht funktionieren, freut sich der Webmaster über einen Hinweis!

Kirche St. Stanislaus
Die pittoreske Kirche zu St. Stanislaus
König Jan (Johann) III Sobieski
© Wikimedia (D. Schultz — pl.pinterest.com, gemeinfrei, König Jan (Johann) III Sobieski 

Die gemauerte, römisch-katholische Kirche von Bolatitz wurde 1713 erbaut und dem polnischen Patron St. Stanislaus geweiht. Dies geschah zur Erinnerung daran, dass der polnische König Jan (Johann) III Sobieski  mitsamt seinem Entsatzheer in und um Bolatitz lagerte und verpflegt wurde, als dieser nach Wien zog, das zum zweiten Mal von den Türken 1683 belagert wurde.
König Jan III. Sobieski war literarisch und sprachlich begabt und als Kunstsammler und Mäzen tätig. Sein Königspalast in Wilanów bei Warschau gilt als ein herausragendes Beispiel für den polnischen Barock. Eine weitere Residenz besaß die Familie im Schloss von Schowkwa. In die polnische Literaturgeschichte gingen seine «Briefe an die Königin» ein, die er beinahe täglich von seinen zahlreichen Feldzügen an seine Gattin schrieb. Dort zeigt sich Sobieski als ein warmherziger und literarisch begabter Privatmann. Er starb 1696 in der königlichen Residenz in Wilanów und wurde im Wawelschloss in Krakau begraben. Es wurde dann aber nicht sein Sohn Jakob Louis Sobieski zum Thronfolger gewählt, sondern der Kurfürst von Sachsen August der Starke. Seine Tochter Therese Kunigunde Sobieska war mit dem Kurfürsten Maximilian II. Emanuel von Bayern verheiratet. Eine Tochter seines Sohnes Jakob, Maria Clementina Sobieska war Gattin von James Francis Edward Stuart, dem Titularkönig von Schottland, England, Irland und Frankreich.

Karte der Lage von Bolatitz bzw. dem Hultischer Ländchen
Bolatitz, sehr alte Ortschaft, aber jung gebliebene Gemeinde!

Länderkarte Tschechischen
Bolatitz – zwischen Troppau und Ratibor

Seit 1992 ist in deutschen Nachschlagewerken ausschließlich «Tschechien» als Kurzform der Landesbezeichnung zu finden, während der Name «Tschechei» heute als überholt gilt und nicht länger gebräuchlich ist. Bolatitz – zwischen Troppau und Ratibor – gehörte bis 1920 und dann wieder von 1938 bis 1945 zu Preußisch-Schlesien und damit zum Regierungs-Bezirk Oppeln. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es wieder — wie schon 1920 — tschechisch und gehört seither zum Landkreis/Bezirk Troppau (Okres Opava); eine kurze Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und nach 1945 bildete das Hultschiner Ländchen einen eigenen Landkreis Hultschin (Hlucin). Troppau bildete bis 1918 die Hauptstadt von Österreichisch-Schlesien. Im Gegensatz zum Hultschiner Ländchen, das sprachlich sehr gemischt war, besass Troppau bis 1945 eine über 90 % deutschsprachige Einwohnerschaft.

Länderkarte Tschechischen
Eines der Nachbarländer – Tschechien

Weitere Einzelheiten zu den sehr interessanten «Territorialen Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten zwischen 1874–1945», in unserem Fall des Amtsbezirkes Kuchelna, finden sich über die Leitseite von Rolf Jehke (Copyright).
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Bolatitz

Gratulation zum 775-Jahre-Jubiläum!

Panorma der Gemeinde Bolatitz - 775 Jahre

Die erste überlieferte Nennung von Bolatitz stammt aus einer Urkunde, mit der im Jahre 1250 Papst Innozenz IV. das Dorf dem Kloster Velehrad gab. Bolatice im schlesischen Landkreis Ratibor gehörte zum Hultschiner Ländchen und war seit 1742 Teil vom Königreich Preussen.
Copyright © vermutlich Rosensteinpark Stuttgart

Herr Martin Nawrath, engagierter und enthusiastischer Berufsschullehrer, dessen Familie ebenfalls aus dieser Ortschaft stammt, hat uns im Mai 2025 per E-Mail punkto geschichtlichem Verlauf etwas auf die Sprünge geholfen. Er schrieb uns: «Was die territoriale Zugehörigkeit von Bolatitz angeht, so wäre ein Blick in die Bolatitzer Ortschronik «Bolatice — Von der Vorgeschichte bis heute», so die Online-Übersetzung der tschechischen Seite zum Buch, im Original verfasst von «Dr. Václav Štěpán», sehr aufschlussreich:

Buch von der Vorgeschichte bis heute
© Dr. Václav Štěpán

1741 — 1920 gehörte es zu Preussen (ab 1871 Deutschland), zuvor gehörte es lange Zeit zur Habsburgermonarchie. Irgendwann im Hochmittelalter (Epoche des Mittelalters, die etwa von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts angesetzt wird. Es wird begrenzt vom Frühmittelalter und dem Spätmittelalter) war es Bestandteil des Grossmährischen Reiches. Von «vormals Polen» — Polen im heutigen Sinne — kann man da also nicht reden [1]. Zumal der lokale Dialekt tatsächlich eher als Alttschechisch, denn als Polnisch anzusehen ist.
Obschon uns eine über 1'000 Seiten starke Übersetzung ins Deutsche vorliegt, darf dieser Text aus rechtlichen Gründen hier leider nicht publiziert werden, da durch die Veröffentlichung einer nicht autorisierten Übersetzung möglicherweise Urheberrechte verletzt würden. Aber ein Hinweis auf den Link zum Text des tschechischen Originals, wie auf der Homepage von Bolatitz auf der Seite «Geschichte des Dorfes Bolatice», gegen Ende dieser Seite – gleich nach dem Abschnitt «Name des Dorfes Bolatice», unter dem Titel «Bolatice — Von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart», von Autor ŠTĚPÁN, Václav, Dr. der Philosopie, zu finden, und herunter geladen werden kann — wenngleich nur in tschechischer Sprache. Aber Vorsicht: Diese PDF-Datei enthält 1'126 Seiten! (Wir danken Herrn Martin Nawrath für seine aufschlussreichen Hinweise zur Geschichte von Bolatitz).

An dieser Stelle und zum Thema der Bolatitzer Geschichte keinesfalls fehlen darf unser Verweis auf die entsprechenden Seiten der Gemeinde Bolatice, die (teilweise) in deutscher Sprache angeboten werden: Nebst der bereits oben genannten Seite zur «Geschichte des Dorfes Bolatice», darf auch «Ein historischer Streifzug durch die Dorfgeschichte», angefangen in der jüngeren Steinzeit bis hin zum Ende des 20. Jahrhundert, ebenso wenig fehlen.

Denkmal WK-1 vor der Kirche St. Stanislaus, Bolatitz
Tafel 1 WK-1-Denkmal vor Kirche St. Stanislaus
Tafel 2 WK-1-Denkmal vor Kirche St. Stanislaus
Tafel 3 WK-1-Denkmal vor Kirche St. Stanislaus
Tafel 4 WK-1-Denkmal vor Kirche St. Stanislaus

Nachtrag zur Postkarte von Bolatitz wie oben abgebildet. Ebenfalls abgebildet oben rechts, der Treppenaufgang zum nachfolgend nochmals abgebildeten Kriegerdenkmal zum Ersten Weltkrieg. Auch der Name Kramarz ist auf den zu allen vier Seiten angebrachten Tafeln zu finden. Alle fünf Abbildungen der Gedenktafeln, ebenso wie die Aufnahme der Kirche St. Stanislaus wurden uns freundlicherweise von Herr Dr. Jürgen Bittner gestellt. Ihm obliegen sämtliche Kopierrechte. Recht herzlichen Dank!

Allein auf diesem Kriegsdenkmal zur Erinnerung an die Opfer des Ersten Weltkriegs findet sich der Familienname Kramarz zweimal. Auf diesen Tafeln sind ausserdem auch die Namen jener Familien genannt, deren Angehörige, ebenfalls einen sehr hohen Blutzoll zu bezahlen hatten: Ballarin, Benesch, Besuch, Bielak, Bolatzki, Breuer, Czerný, Dembek, Duda, Duxa, Effenberger, Foitzik, Fuß, Halfar, Hanslib, Harasim, Heisig, Herudek, Jrzik, Kollarczik, Komarek, Kramarz, Krautwurst, Krettek, Kuballa, Kupka, Kurka, Lischka, Michalik, Moritz, Nawrath, Ondra, Pardy, Paschek, Rathey, Rathay, Reichel, Schaffran, Scheffczik, Schimetka, Scholtis, Schwarz, Sliwka, Sniehotta, Sollich, Steffek, Stoschek, Theuer, Watzlawik, Weigel, Wodak, Wollny ...

WW2-Kriegsdenkmal in der Kirche St. Stanislaus, Boltitz
WW2-Kriegsdenkmal in der Kirche St. Stanislaus, Boltitz
Kriegerdenkmal vor der Kirche St. Stanislaus, Boltitz

Noch weitaus detailliertere Angaben finden sich auf der Seite des Vereins für militärische Gotteshäuser (vets.cz) und dort im Besonderen zum oben erwähnten Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs. In der Kirche selbst sodann sind die zwei, bzw. drei rechts abgebildeten Gedenktafeln für die Opfer des Zweiten Weltkrieges zu sehen. (Beide hier verlinkten Seiten unterliegend dem © von Michal Lukášek).

 

Die folgenden Abbildungen (ebenso wie einige geografische Karten bzw. Ausschnitte davon) von historischen Postkarten zu Bolatitz, Kreis Ratibor, Oberschlesien, wurden uns freundlicherweise von Herrn Miroslav Herold (hultschiner-soldaten.de) unter dem ©-Hinweis «Sammlung V. Schafarczik (2023)» zur Verfügung gestellt. Vielen Dank Herr Herold!

Historische Postkarten-Ansicht aus Bolatitz
Historische Postkarten-Ansicht aus Bolatitz
Historische Postkarten-Ansicht aus Bolatitz
Historische Postkarten-Ansicht aus Bolatitz
Historische Postkarten-Ansicht aus Bolatitz
Historische Postkarten-Ansicht aus Bolatitz
Historische Postkarten-Ansicht aus Bolatitz
Historische Postkarten-Ansicht aus Bolatitz
Historische Postkarten-Ansicht aus Bolatitz

 

Eine wunderschöne Allee in der näheren Umgebung von Bolatitz
Grüne Auen soweit das Auge reicht

Unsere kleine Reise nach Bolatitz im Kreis Ratibor, Oberschlesien, beschliessen wir mit zwei malerischen Ansichten und greifen das Stichwort der Grünen Auen nochmals auf. Auch diese beiden Aufnahmen wurden uns freundlicherweise von Herrn Dr. Jürgen Bittner, seines Zeichens ebenfalls Ahnenforscher und Autor der Homepage der Familie Bittner und – wenn auch ein Stück in der Vergangenheit – sogar mit unserer Familie verwandt, überlassen. Das Copyright an all seinen Aufnahmen bleibt ihm nach wie vor unbenommen.

 


Fussnoten
  • [1] In einer früheren Textfassung war dem Autor dieser Seiten der Fehler unterlaufen, die Ortschaft Bolatice im Kreis Ratibor dummerweise dem polnischen Staat einzuverleiben. Dank auch diesem freundlichen Hinweis auf unseren Fehler, wurde dieser zwischenzeitlich ausgemerzt. Vielen Dank Herr Nawrath für Ihre Aufmerksamkeit und Ihren Hinweis dazu.